Tierheilpraxis Martin Föhse

Reittherapeutin Hildegard Grewe

 Hinterm Teich 13

32351 Stemwede - Levern

Telefon und Fax: (05745) 2093

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Fallbeispiel San Salvador

 

 

 

 

 

"San Salvador", Bayrisches Warmblut, 9 Jahre, wurde im Februar 2000 mit Gangwerksproblemen vorgestellt. Vorrangig benötigte er eine orthopädische Hufbehandlung ohne Hufschutz.

Aufgrund der Hufkorrektur konnte ihn seine Besitzerin ab Mai 2000 wieder reiten. Doch er zeigte sich unberechenbar. Es fehlte ihm an Gleichgewicht, Balance, Losgelassenheit und Gehfreude. Er wirkte steif und verkrampft ohne eindeutige Lahmheit. Zudem neigte er zu übermäßiger Schreckhaftigkeit und Platzangst. In Stresssituationen stieg er oft und ging ohne Vorwarnung durch.

 

 

 

 

 

 

 

 Abb.: San Salvador zu Beginn der Behandlung

 

 

 

 

 

Bei der körperlichen Untersuchung zeigten sich

· massive Muskelprobleme des Halses, der Schulter, der Vorhand, des Bauches und der Hinterhand aufgrund seines im Lendenwirbelbereich hochgezogenen Rückens und untergezogener Hinterhand. Die Muskulatur war unterentwickelt.

· Trotz reichlichem Futterangebot war er sehr mager.

· Vor Jahren kämpfte er mit einer fast lebensbedrohlichen Verwurmung.

· Seit 4 Jahren (nach einem Unfall) lang anhaltende (ca. 1,5 Jahre) immer wiederkehrende Lahmheit des linken Hinterbeines, die Röntgenuntersuchung im Juni 2000 zeigte eindeutig Spat und einen Gelenkchip, der aufgrund seiner Lage aber keine Beeinträchtigung machte.

· Graue Verschattung an einem Teil des rechten Auges, sowie Pupillenunregelmäßigkeiten beidseits, er neigt zu Konjunktivitis bei Insektenbelastung und Wind.

· Beim Arbeiten schnell kurzatmig mit weit geblähten Nüstern, aber nur flachen Atemzügen.

Eine Blutuntersuchung (Gesamtprofil) ergab

· Nierenfunktions- und Stoffwechselstörungen sowie Leukopenie

· der Borreliose AK-Titer IFT (IgG) war 1:512

· im Westernblot wurden 5 borreliosespezifische Banden festgestellt

Unter der naturheilkundlichen Behandlung seit Juli 2000 besserte sich sein Ernährungszustand stetig. Gleichzeitig tauchten Kolikprobleme auf. Sie wurden mit einer Darmsanierung langfristig behoben.

Durch Massage, Physiotherapie und Bewegungsübungen an der Hand und unter dem Reiter verbesserte sich sein Gangbild. Die Muskulatur entkrampfte und baute sich auf. Der Rücken wurde gerade.  Er gewann an Selbstvertrauen und ging zuverlässig in der Gruppe ins Gelände. Regelmäßiges Dressurreiten nach physiotherapeutischem Ausbildungsplan brachte das Pferd und seine Besitzerin auf L-Dressur-Niveau. Auch an gymnastizierendem Springtraining hat San Salvador heute große Freude.

Die Augenprobleme konnten durch eine mehrmonatige Therapie erheblich verbessert werden.

Im August 2001 zeigte sich ein Atemwegsproblem. Eine deutliche Lungenverschleimung kam zum Vorschein. Er konnte die Trainingsanforderungen mit seiner Flachatmung nicht mehr bewältigen. Schleimlösende Therapie, Inhalation und atemgymnastisches Reiten führten zur raschen vollständigen Belüftung der Lungen. Dies steigerte seine Leistungsbereitschaft enorm.

Die Kontrolluntersuchungen zeigten einen dauerhaften Anstieg des AK-Titers auf 1:1024 sowie 6 borreliosespezifische Banden im Western-Blot. Die Organwerte normalisierten sich.  Es kamen keine Antibiotika, Cortikoide und Bronchodilatatoren zum Einsatz.

 

 

 

 

 

Ende Herbst 2001 ist San Salvador für seine Besitzerin ein gut einzuschätzender anspruchsvoller Partner. Sie wagen auch schon Ausritte alleine und bei einsetzender Dunkelheit. Durch ihre ausdauernde Pflege und Behandlung sowie Weiterausbildung ihrer physischen  und psychischen reiterlichen Fähigkeiten hat die Besitzerin trotz chronischer Borreliose ein strahlendes Pferd.

 

 

 

 

 

Die Jahre 2002 und 2003 waren von immer wieder aufkommenden kleineren gesundheitlichen Schwächeperioden gekennzeichnet.

·  Er zeigte erhöhte Hufsensibilität, da er beim Reiten im Gelände und bei der Dressurarbeit auf gewachsenem Boden oft mehr Abnutzung des Hufhornes als Wachstum hatte. Bei Fühligkeit, erhielt er einen Kunststoffbeschlag der Fa. Lafo.

· Er zeigte übermäßige Witterungsempfindlichkeit. Im Sommer hatte er bei heißem, schwülem Wetter Kreislaufprobleme. Im Herbst/Winter reagierte er auf nasskalte Witterung mit Verkrampfung der Muskulatur besonders im Rücken- und Bauchbereich. Bei Frost brauchte er eine Decke. Trotz gutem und dichtem Winterfell, ausgewogener Ernährung und artgerechter Offenstallhaltung schaffte er es nicht seinen Wärmehaushalt zu regulieren. Seine Probleme signalisierte er eindeutig durch aggressives Verhalten.

· Er zeigte Infektanfälligkeit der Atemwege, da er bei verkrampfter Muskulatur zur Flachatmung neigte, was eine Verschleimung der Bronchien zur Folge hatte. Meistens reagierten auch die Nebenhöhlen mit eitrigem Sekret.

Trotz all dieser Schwächen, war er durchgängig reitbar, nur eine Steigerung der Leistungsfähigkeit konnte nicht erreicht werden. Meist zeigte er sich zu Beginn des Trainings übermütig, verlor aber nach 30 – 45 Minuten seine Gangfreude und Körperspannung. So erwarteten wir eigentlich täglich, dass dieser „Blender“ uns einen neuen Borrelioesschub präsentiert. Leider war in diesem Stadium nicht mehr möglich als auf seine Schwächen zu reagieren und das Immunsystem immer wieder mit naturheilkundlicher Therapie anzuregen.

 

 

 

 

 

 Abb.: San Salvador im Juli 2005

 

 

Anfang Oktober 2003 kam dann der akute Krankheitsschub. Es war Sonntag gegen Mittag bei regnerischem kalten Wetter und er war mit Decke auf die Wiese gegangen, wo er sich trotz der Witterung munter und bewegungsfreudig zeigte. Als er nach 1,5 Stunden wieder reingeholt wurde, ging er sehr vorsichtig und träge mit. Seine Decke war oberflächlich nass und wurde sofort gewechselt. Zwei Stunden später wollte seine Besitzerin ihn Reiten, aber schon beim Putzen stellte sie massive Rücken- und Bauchverspannungen fest. Das Pferd machte einen erschöpften Eindruck. Wegen des Kolikverdachtes wollte sie mit ihm spazieren gehen, doch er bewegte sich nur sehr zögerlich. Bei Wendungen hob er die Hinterbeine verlangsamt übermäßig hoch. Alles schien ihm schmerzhaft. In den nächsten Stunden schwollen besonders die Hinterbeine an. Die Schwellung und Hitze zog vom Fuß an aufwärts bis zu den Sprunggelenken. Wenn er sich in seinem großen Offenstall drehen wollte, schwankte er. Meist blieb er auf der Stelle stehen. Fressen und Saufen war nur auf Brusthöhe möglich. Das Herunterbeugen des Kopfes erschien ihm unmöglich.

Die sofort eingeleiteten naturheilkundlichen Notfallmaßnahmen wie in der BTM erläutert, verbesserten das Bild um 50 % in den nächsten 12 Stunden. Der Verdacht auf einen akuten Schub lag also nahe, so dass nach Rücksprache mit dem Tierarzt, der schon häufiger akute Borreliosekrankheitsschübe behandelt hatte, ab Dienstag zusätzlich ein borrelienspezifische Antibiotikum zum täglichen Einsatz kam.

Am Freitag war die Schwellung und Hitze der Hinterbeine zurückgegangen. Da er mit Hufschuhen deutlich besser zufußte, wurde er zur Hufentlastung mit Kunststoffhufschutz (Lafo) beschlagen.

Ab Sonntag ging es ihm deutlich besser. Er konnte wieder spazieren geführt werden. Leider verschlechterte sich die Toleranz seines Körpers auf das Antibiotikum, da er trotz naturheilkundlicher Zusatzbehandlung mit Schwellungen und Hitze an den Injektionsstellen reagierte. 10 Tage später konnte er wieder unter dem Reiter leicht gearbeitet werden.

 

 

 

Ab Dezember wurde das Antibiotika naturheilkundlich ausgeleitet und eine immunstimulierende Langzeittherapie begonnen. Das größte Problem stellte seit der Antibiotikatherapie der Verdauungstrakt dar. Übermäßige Darmgasbildung führte tageweise zu derart starken Schmerzen, dass er nicht reitbar war. Diverse Therapien brachten zwar Linderung, jedoch stellte sich keine Ausheilung ein.

Im Herbst 2004 setzten wir das Nahrungsergänzungsmittel „Golden Yacca“ zur Darmsanierung ein. Nach anfänglicher Problemverstärkung – San Salvador trank zu wenig – verbesserten sich seine Verkrampfungen zusehendes. Die Darmgase konnten immer lockerer abgehen, was auch problemlos unter dem Reiter geschah. Gleichzeitig verbesserte sich seine Konstitution, wobei die Atmung tiefer wurde. Das Halten der Körperspannung ging mühelos, so dass er auch schwierigste Dressuraufgaben meisterte. Die Muskulatur entwickelte sich besonders im Hinterhandbereich zunehmend, unterstützt durch den Einsatz einer Magnetfeldtherapie  mit prophy Vital Gerät. Die Futterverwertung besserte sich derart auffällig, dass seine Futtermengen (bes. Eiweiß) herabgesetzt werden mussten, da er begann Speck anzusetzen und sich gegenüber dem Reiter übermütig zeigte.

Endlich hatte er die Kraft und Kondition, die seiner Ausstrahlung entsprach. Robust ist er allerdings bis heute in meinen Augen noch nicht. Bis zum Verkauf erhielt er weiterhin „Golden Yacca“ als Minimaldosis und im Frühjahr und Herbst immunanregende Medikamente statt der üblichen Impfungen.